Die meisten haben eine ziemlich verschwommene Vorstellung von Introvertierten Menschen: „Ach, das sind die Stillen, die gerne alleine sind“, heißt es oft. Stimmt – aber nur zur Hälfte.
Introvertierte Menschen sind Personen, die ihre Energie hauptsächlich aus der inneren Welt beziehen. Stell dir das vor wie einen Akku, der sich durch Ruhe und Alleinsein auflädt, während soziale Interaktionen ihn entladen. Das heißt nicht, dass sie Menschen nicht mögen. Es bedeutet einfach, dass ihr Nervensystem anders tickt.
Der Unterschied zwischen Introversion und Extraversion
Der Unterschied ist eigentlich recht einfach: Extravertierte tanken Energie auf, wenn sie unter Menschen sind. Sie brauchen den Austausch, die Stimulation von außen. Introvertierte dagegen brauchen Rückzug, um ihre Batterien wieder aufzuladen.
Das ist keine Entweder-oder-Geschichte. Die meisten von uns liegen irgendwo auf einem Spektrum zwischen beiden Polen. Manche sind sehr stark introvertiert, andere nur leicht – und wieder andere bewegen sich in der Mitte, als sogenannte Ambivertierte.
Introvertiert heißt nicht schüchtern
Hier wird’s interessant, denn das ist das größte Missverständnis überhaupt. Schüchternheit hat mit Angst vor sozialen Situationen zu tun. Introversion dagegen ist einfach eine Art, wie dein Nervensystem auf Reize reagiert.
Ich kenne introvertierte Menschen, die selbstbewusst auf der Bühne stehen können. Die sind nicht schüchtern – sie brauchen danach nur viel Ruhe. Und ich kenne extravertierte Menschen, die schüchtern sind und sich trotzdem nach sozialen Kontakten sehnen. Das sind zwei völlig verschiedene Dimensionen. Siehe Unterschied introvertiert vs. schüchtern.
Wie viele Menschen sind eigentlich introvertiert?
Die Forschung geht davon aus, dass etwa 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung eher introvertiert sind. Das ist eine riesige Zahl! Trotzdem wirkt es oft so, als wären Introvertierte eine kleine Minderheit.
Warum? Weil unsere Gesellschaft laut ist. Die Extrovertierten fallen mehr auf. Sie reden mehr, treten selbstbewusster auf, sind sichtbarer. Introvertierte bleiben oft im Hintergrund – was nicht heißt, dass sie weniger interessant oder kompetent sind.

Wo kommt Introversion her? Psychologie und Ursachen
Lass uns mal einen Blick in die Wissenschaft werfen. Introversion ist keine Laune, keine Phase und auch kein Fehler. Es ist ein fundamentaler Teil deiner Persönlichkeit.
Die moderne Persönlichkeitspsychologie ordnet Introversion als eine der Big Five Persönlichkeitsdimensionen ein – genauer gesagt als das niedrige Ende der Dimension „Extraversion“. Diese Big Five sind das am besten belegte Modell, das wir heute haben, um Persönlichkeit zu beschreiben.
Von Jung bis heute: Die Geschichte der Begriffe
Der Schweizer Psychiater C. G. Jung war einer der Ersten, der die Begriffe Introversion und Extraversion in den 1920er Jahren systematisch verwendete. Für ihn war Introversion eine grundlegende Orientierung der psychischen Energie nach innen.
Heute arbeiten wir mit differenzierteren Definitionen. Moderne Psychologie sieht Introversion als Tendenz zu geringer Geselligkeit, Zurückhaltung in sozialen Situationen und einem Bedürfnis nach weniger äußerer Stimulation. Das klingt technisch, oder? Im Alltag bedeutet es einfach: Du brauchst mehr Ruhe als andere.
Gene und Gehirn: Die biologischen Grundlagen
Hier wird’s spannend. Studien zeigen, dass Extraversion zu etwa 40 bis 60 Prozent erblich ist. Das heißt, ein guter Teil deiner Introversion steckt schon in deinen Genen.
Aber auch dein Gehirn arbeitet anders. Forschungen deuten darauf hin, dass introvertierte Menschen empfindlicher auf Reize reagieren. Ihr Nervensystem springt schneller an, braucht weniger Stimulation, um „wach“ zu sein. Das erklärt, warum laute Partys oder hektische Meetings so erschöpfend sein können.
Das Belohnungssystem spielt auch eine Rolle. Extrovertierte reagieren stärker auf Dopamin – den Botenstoff, der uns bei sozialen Interaktionen belohnt. Bei Introvertierten ist diese Reaktion schwächer. Sie brauchen die soziale Belohnung einfach weniger dringend.
Bleibt man immer introvertiert?
Grundsätzlich ja. Persönlichkeitsmerkmale sind über die Lebensspanne hinweg ziemlich stabil. Wer als Kind introvertiert war, bleibt das meist auch als Erwachsener.
Allerdings gibt’s Nuancen. Mit der Zeit lernen viele introvertierte Menschen, besser mit ihrer Energie umzugehen. Sie entwickeln Strategien, wie sie in sozialen Situationen bestehen können, ohne völlig ausgelaugt zu sein. Das bedeutet nicht, dass sie extrovertiert werden – sie werden nur geschickter im Umgang mit sich selbst.

Typische Merkmale introvertierter Menschen
Okay, lass uns konkret werden. Wie erkennst du introvertierte Menschen – oder dich selbst?
Der Energiehaushalt: Auftanken im Alleinsein
Das ist das Kernmerkmal. Nach einem langen Tag mit Menschen, Meetings oder Smalltalk fühlst du dich leer. Deine Batterien sind am Ende. Was du jetzt brauchst? Ruhe. Stille. Vielleicht ein Buch, ein ruhiger Spaziergang, einfach Zeit für dich.
Das ist nicht antisozial. Das ist Selbstfürsorge. Dein Nervensystem braucht diese Pausen, um sich zu regenerieren.
Das Innenleben: Gedanken, Gefühle, Reflexion
Introvertierte haben oft eine reiche innere Welt. Sie denken viel nach, reflektieren Erlebnisse, analysieren Situationen. Manchmal verbringen sie mehr Zeit in ihrem Kopf als in der Außenwelt.
Das „erst denken, dann reden“-Prinzip kennst du vielleicht. Während Extravertierte oft laut denken und ihre Gedanken beim Sprechen entwickeln, arbeiten Introvertierte innerlich. Sie brauchen Zeit, um ihre Antworten zu formulieren. In schnellen Diskussionen kann das zum Nachteil werden – aber die Qualität ihrer Beiträge ist oft beeindruckend.
Tiefe statt Breite: Gespräche, die zählen
Small Talk? Eher anstrengend. Oberflächliches Geplauder über das Wetter oder die neueste Netflix-Serie? Naja.
Introvertierte Menschen bevorzugen tiefe, bedeutungsvolle Gespräche. Sie wollen wissen, wie es dir wirklich geht. Was dich bewegt. Was du denkst. Diese intensive Art der Kommunikation ist eine ihrer größten Stärken – auch wenn sie in Netzwerksituationen manchmal fehl am Platz wirkt.
Wie Introvertierte nach außen wirken
Hier liegt das Problem. Weil Introvertierte oft zurückhaltend sind, werden sie schnell falsch verstanden. „Die ist so distanziert.“ „Der interessiert sich für nichts.“ „Die denkt wohl, sie ist was Besseres.“
Alles Quatsch. Introvertierte sind innerlich oft total engagiert. Sie beobachten, nehmen auf, verarbeiten. Nur nach außen zeigen sie’s weniger. Das kann als Arroganz oder Desinteresse missverstanden werden – obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.

Stärken introvertierter Menschen
Lass uns über das Gute reden. Denn ja, introvertierte Menschen haben super viele Stärken – auch wenn die oft übersehen werden.
Beobachtungsgabe und Detailwahrnehmung
Weil Introvertierte mehr beobachten als reden, nehmen sie Details wahr, die anderen entgehen. Sie merken, wenn jemand sich unwohl fühlt. Sie erkennen Muster. Sie sehen, was zwischen den Zeilen steht.
Das macht sie zu exzellenten Analysten, Forschern, Strategen. Sie übersehen selten etwas Wichtiges.
Konzentration und Gründlichkeit
Introvertierte können sich tief in eine Sache versenken. Stundenlang. Ohne Unterbrechung. Diese Fähigkeit zur Konzentration ist in unserer ablenkungsreichen Welt Gold wert.
Sie arbeiten gründlich, gewissenhaft, präzise. Flüchtigkeitsfehler? Selten. Oberflächliche Lösungen? Nicht ihr Ding.
Kreativität und innere Welten
Viele der kreativsten Köpfe waren und sind introvertiert. Warum? Weil Kreativität Zeit und Raum braucht. Zeit zum Nachdenken. Raum für Ideen. Stille, in der neue Gedanken entstehen können.
Ob Schreiben, Malen, Musik, Programmieren – Introvertierte bringen oft außergewöhnliche kreative Leistungen hervor, gerade weil sie so viel Zeit mit sich selbst verbringen.
Empathie und Zuhören
Introvertierte sind oft fantastische Zuhörer. Sie unterbrechen nicht ständig. Sie wollen wirklich verstehen. Sie nehmen sich Zeit für dich.
Diese Empathie macht sie zu wertvollen Freunden, Partnern und Kollegen. Sie spüren, was andere brauchen – und geben oft genau das, ohne großes Aufheben.

Herausforderungen, mit denen Introvertierte kämpfen
Natürlich ist nicht alles einfach. Introvertiert zu sein in einer lauten Welt bringt echte Herausforderungen mit sich.
Überstimulation und Reizüberflutung
Zu viel Lärm. Zu viele Menschen. Zu viele Eindrücke. Das Nervensystem von Introvertierten springt schneller an – und überreizt auch schneller.
Großraumbüros? Die Hölle. Dauerlärm, ständige Unterbrechungen, keine Rückzugsmöglichkeit. Viele introvertierte Menschen leiden massiv unter solchen Arbeitsbedingungen.
Soziale Erschöpfung
Diese „sozialen Batterien“ sind real. Nach einem Tag voller Meetings, Smalltalk und Interaktion bist du komplett leer. Du brauchst Stunden oder sogar Tage, um dich zu erholen.
Das wird oft nicht verstanden. „Warum kommst du nicht mit?“ „Du bist so ein Stubenhocker.“ Solche Kommentare tun weh – besonders wenn man selbst schon ein schlechtes Gewissen hat.
Konfliktscheu und Grenzen setzen
Vielen Introvertierten fällt es schwer, klar Nein zu sagen. Sie wollen niemanden vor den Kopf stoßen. Also sagen sie Ja zu Einladungen, die sie erschöpfen. Zu Projekten, die sie überfordern. Zu Erwartungen, die sie nicht erfüllen können.
Das Grenzensetzen ist eine Fähigkeit, die viele erst mühsam lernen müssen.
Das Gefühl, falsch zu sein
In einer Welt, die Offenheit, Networking und ständige Kommunikation feiert, fühlen sich Introvertierte oft wie Außenseiter. „Was stimmt mit mir nicht?“ „Warum bin ich nicht so locker wie die anderen?“
Das ist einer der schmerzhaftesten Aspekte. Dieses Gefühl, nicht zu genügen. Nicht normal zu sein. Sich anpassen zu müssen.

Introversion, Schüchternheit und Hochsensibilität: Was ist was?
Zeit für wichtige Unterscheidungen. Diese Begriffe werden ständig durcheinandergeworfen – aber sie meinen völlig verschiedene Dinge.
Introvertiert vs. schüchtern
Schüchternheit ist Angst vor negativer sozialer Bewertung. Introversion ist eine Präferenz für weniger soziale Stimulation.
Du kannst introvertiert sein, ohne schüchtern zu sein. Es gibt viele selbstbewusste Introvertierte, die problemlos vor Gruppen sprechen können – sie brauchen danach nur ihre Ruhe. Und es gibt schüchterne Extravertierte, die sich nach Menschen sehnen, aber Angst davor haben.
Introvertiert vs. soziale Angst
Soziale Angststörung ist eine ernsthafte psychische Erkrankung. Menschen mit sozialer Angst haben intensive Angst vor sozialen Situationen, erleben körperliche Symptome wie Herzrasen oder Schwitzen und vermeiden soziale Kontakte aus Angst.
Introvertierte Menschen vermeiden soziale Situationen nicht aus Angst, sondern weil sie erschöpfend sind. Das ist ein riesiger Unterschied. Wenn deine Vermeidung mit echter Angst und starkem Leidensdruck einhergeht, solltest du professionelle Hilfe in Betracht ziehen.
Hochsensibilität und Introversion
Etwa 70 Prozent der hochsensiblen Menschen sind auch introvertiert – aber nicht alle. Hochsensibilität bedeutet, dass dein Nervensystem besonders empfindlich auf Sinnesreize reagiert.
Du nimmst mehr Details wahr, verarbeitest Reize tiefer, bist schneller überreizt. Das kann Introversion verstärken – ist aber ein eigenes Merkmal.

Introvertierte Menschen in einer lauten Gesellschaft
Unsere Gesellschaft liebt die Lauten. Die Selbstdarsteller. Die Networker. Die, die sich verkaufen können.
Wer leise ist, wirkt schnell unsichtbar. Wer Ruhe braucht, gilt als Spaßbremse. Wer nicht ständig erreichbar ist, als unzuverlässig.
Das Ideal der Extraversion
In der westlichen Welt – besonders in den USA, aber zunehmend auch bei uns – ist Extraversion das Ideal. Offenheit, Kontaktfreude, Teamwork, ständige Kommunikation: Das sind die gefeierten Werte.
Introvertierte passen nicht so recht in dieses Bild. Sie werden oft übersehen, unterschätzt oder als „problematisch“ wahrgenommen.
Anpassungsdruck und innere Konflikte
Viele introvertierte Menschen versuchen, sich anzupassen. Sie zwingen sich zu mehr Socializing. Gehen zu Partys, obwohl sie lieber zuhause wären. Sagen Ja, obwohl sie Nein meinen.
Die Folge? Erschöpfung. Frustration. Das Gefühl, sich selbst zu verlieren. Irgendwann merkst du: Das ist nicht nachhaltig. Du kannst nicht dauerhaft gegen deine Natur leben.

Introvertierte Menschen im Alltag und in Beziehungen
Wie sieht das konkrete Leben introvertierter Menschen aus?
Soziale Situationen: Partys, Gruppen, Netzwerken
Eine große Party? Für viele Introvertierte der blanke Horror. Zu viele Menschen, zu viel Lärm, zu viel Smalltalk. Nach einer Stunde willst du nur noch weg.
Das macht dich nicht asozial. Es bedeutet nur, dass deine Energie begrenzt ist. Viele Introvertierte bevorzugen kleine Runden, wo echte Gespräche möglich sind. Oder 1:1-Treffen, wo sie sich wirklich verbinden können.
Freundschaften: Wenige, aber tief
Introvertierte haben oft wenige, aber sehr enge Freundschaften. Sie investieren lieber in Tiefe als in Breite. Ein großer Freundeskreis mit oberflächlichen Kontakten? Nicht ihr Ding.
Dafür sind ihre Freundschaften meist intensiv, loyal und von großem Vertrauen geprägt. Sie sind die Freunde, die da sind, wenn’s zählt. Die zuhören. Die dich wirklich kennen.
Partnerschaften mit Extravertierten
Kann das funktionieren? Absolut! Aber es braucht Verständnis auf beiden Seiten.
Der extravertierte Partner muss verstehen, dass der Rückzug des Introvertierten nicht persönlich gemeint ist. Der introvertierte Partner muss kommunizieren, was er braucht – und vielleicht auch mal Kompromisse eingehen.
Solche Partnerschaften können sehr bereichernd sein. Jeder bringt andere Stärken ein. Der eine öffnet Türen, der andere sorgt für Tiefe.
Freizeitgestaltung: Was Introvertierte gerne tun
Lesen. Kreative Hobbys. Spaziergänge in der Natur. Ruhige Abende zuhause. Viele introvertierte Menschen finden Erfüllung in Aktivitäten, die sie alleine oder in kleinen Gruppen machen können.
Das ist keine Langeweile. Das ist Quality Time mit sich selbst. Zeit, in der sie auftanken, nachdenken, kreativ sein können.

Introvertierte Menschen im Berufsleben
Arbeit ist für viele Introvertierte eine besondere Herausforderung. Die moderne Arbeitswelt ist oft alles andere als introvertiert-freundlich.
Unterschätzte Stärken am Arbeitsplatz
Introvertierte werden im Job oft übersehen. Sie melden sich seltener zu Wort. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund. Ihre Leistung ist weniger sichtbar.
Dabei bringen sie so viel mit: Konzentration, Gründlichkeit, analytisches Denken, kreative Problemlösung. Sie sind oft die, die im Hintergrund die wichtige Arbeit machen – während andere die Lorbeeren ernten.
Herausforderungen: Meetings, Großraumbüros, Networking
Großraumbüros sind für Introvertierte die reinste Folter. Ständiger Lärm, keine Privatsphäre, permanente Unterbrechungen. Konzentriertes Arbeiten? Fast unmöglich.
Dann die endlosen Meetings. Die Erwartung, ständig etwas beizutragen. Der Druck, sich zu zeigen, sich zu verkaufen. Networking-Events, wo du gezwungen bist, Smalltalk zu machen.
All das kostet unfassbar viel Energie.
Geeignete Arbeitsumfelder
Was brauchen introvertierte Menschen am Arbeitsplatz? Ruhe. Rückzugsmöglichkeiten. Zeit für konzentriertes Arbeiten. Klare Strukturen. Die Möglichkeit, schriftlich zu kommunizieren statt ständig zu sprechen.
Remote Work ist für viele Introvertierte ein Segen. Sie können in ihrer eigenen Umgebung arbeiten, Pausen machen, wenn sie sie brauchen, soziale Interaktion dosieren.
Introvertierte in Führungspositionen
Ein Mythos besagt, dass gute Führungskräfte charismatisch und extrovertiert sein müssen. Bullshit.
Introvertierte Führungskräfte haben eigene Stärken: Sie hören zu. Sie denken strategisch. Sie sind oft empathischer, bedachter, weniger impulsiv. Sie geben ihrem Team Raum. Viele der erfolgreichsten Leader waren und sind introvertiert – sie führen eben leiser.

Gesundheit und psychisches Wohlbefinden
Introvertiert zu sein kann auch gesundheitliche Herausforderungen mit sich bringen.
Überstimulation und chronischer Stress
Wenn du dauerhaft über deinen Grenzen lebst – zu viele soziale Verpflichtungen, zu viel Lärm, zu wenig Ruhe – gerätst du in chronischen Stress.
Dein Nervensystem kommt nie zur Ruhe. Die Folge können Schlafstörungen, Erschöpfung, körperliche Symptome sein.
Wenn Rückzug zur Isolation wird
Rückzug ist gesund und notwendig. Aber es gibt eine Grenze. Wenn du dich komplett zurückziehst, soziale Kontakte meidest, dich isolierst – dann wird’s problematisch.
Das kann ein Warnzeichen für Depression oder andere psychische Belastungen sein. Der Unterschied? Gesunder Rückzug fühlt sich erholsam an. Isolation fühlt sich einsam und hoffnungslos an.
Selbstfürsorge und Energie-Management
Introvertierte Menschen brauchen aktives Energie-Management. Du musst lernen, deine Grenzen zu erkennen. Pausen einzuplanen. Nein zu sagen, bevor du völlig erschöpft bist.
Routinen helfen. Feste Zeiten für Rückzug. Rituale, die dir Ruhe geben. Und: das Recht, diese Bedürfnisse zu kommunizieren, ohne dich rechtfertigen zu müssen.

Selbstakzeptanz und persönliches Wachstum
Der wichtigste Schritt für jeden Introvertierten: sich selbst annehmen.
Negative Glaubenssätze hinterfragen
„Ich bin zu leise.“ „Ich bin zu empfindlich.“ „Mit mir stimmt was nicht.“ Kennst du diese Gedanken?
Sie sind falsch. Du bist nicht kaputt. Du bist nicht weniger wert. Du bist einfach anders – und das ist völlig in Ordnung.
Eigene Bedürfnisse ernst nehmen
Dein Bedürfnis nach Ruhe ist genauso legitim wie das Bedürfnis anderer nach Gesellschaft. Du darfst Nein sagen. Du darfst Pausen brauchen. Du darfst Grenzen setzen.
Das ist nicht egoistisch. Das ist Selbstfürsorge.
Persönliches Wachstum im eigenen Tempo
Ja, du kannst soziale Kompetenzen entwickeln. Du kannst lernen, Smalltalk zu führen, in Meetings zu sprechen, dich sichtbar zu machen.
Aber tu’s in deinem Tempo. Auf deine Weise. Ohne dich zu verbiegen. Die besten Versionen von uns selbst entstehen nicht durch Anpassung, sondern durch authentisches Wachstum.

Tipps für den Umgang mit introvertierten Menschen
Du bist selbst nicht introvertiert, hast aber Introvertierte in deinem Leben? Hier ein paar Hinweise.
Rückzug nicht persönlich nehmen
Wenn dein introvertierter Partner nach einem langen Tag Ruhe braucht, hat das nichts mit dir zu tun. Wenn deine introvertierte Kollegin die Mittagspause alleine verbringt, mag sie dich trotzdem.
Rückzug ist ein Grundbedürfnis. Keine Ablehnung.
Zeit zum Nachdenken geben
Stell eine Frage – und warte. Lass Raum für die Antwort. Introvertierte brauchen oft einen Moment, um ihre Gedanken zu sortieren.
In Meetings: Gib Introvertierten die Möglichkeit, sich vorzubereiten. Schriftliche Beiträge können eine gute Alternative sein.
Leistung nicht an Lautstärke messen
Die beste Idee kommt nicht immer von dem, der am lautesten redet. Introvertierte Menschen bringen oft exzellente Beiträge – du musst nur aufmerksam genug sein, um sie wahrzunehmen.

Bin ich introvertiert? Selbstcheck und häufige Fragen
Vielleicht fragst du dich jetzt: Bin ich eigentlich introvertiert?
Typische Anzeichen auf einen Blick
Du fühlst dich nach sozialen Events erschöpft. Du bevorzugst kleine Gruppen oder 1:1-Gespräche. Du brauchst regelmäßig Zeit für dich alleine. Du denkst erst nach, bevor du sprichst. Smalltalk empfindest du als anstrengend. Du hast ein reiches Innenleben und verbringst viel Zeit mit Nachdenken.
Erkennst du dich wieder? Dann bist du vermutlich eher introvertiert.
Können Introvertierte extrovertiert werden?
Kurz gesagt: nein. Persönlichkeitsmerkmale sind stabil. Aber du kannst lernen, mit deiner Introversion besser umzugehen. Du kannst soziale Fähigkeiten entwickeln. Du kannst flexibler werden.
Das bedeutet nicht, dass du dich änderst – du wirst nur geschickter im Navigieren der Welt.
Sind alle Introvertierten schüchtern?
Nein! Das ist ein riesiges Missverständnis. Introversion und Schüchternheit sind zwei verschiedene Dinge. Es gibt viele selbstbewusste, eloquente, charismatische Introvertierte.
Können Introvertierte gute Führungskräfte sein?
Absolut. Viele erfolgreiche Leader sind introvertiert. Sie führen anders – leiser, bedachter, empathischer. Aber nicht weniger effektiv.
Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn dein Rückzug zur Isolation wird. Wenn du echte Angst vor sozialen Situationen hast. Wenn du unter Depressionen, starker Selbstkritik oder anderen psychischen Belastungen leidest.
Introversion ist keine Störung – aber sie kann mit anderen Herausforderungen einhergehen, bei denen Unterstützung sinnvoll ist.

Ressourcen für introvertierte Menschen
Wenn du mehr über Introversion erfahren möchtest, gibt es viele gute Quellen.
Fachliteratur und Information
Bücher wie „Quiet“ von Susan Cain haben das Thema Introversion einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wissenschaftliche Artikel zur Persönlichkeitspsychologie findest du in psychologischen Datenbanken.
Auch Beratungsstellen für psychische Gesundheit können gute Anlaufstellen sein, wenn du Unterstützung brauchst.
Unterstützungsangebote
Coaching kann helfen, wenn du lernen willst, besser mit deiner Introversion umzugehen. Therapie ist sinnvoll, wenn zusätzliche Belastungen wie Angst oder Depression vorliegen.
Auch der Austausch mit anderen Introvertierten kann wertvoll sein – zu merken, dass du nicht alleine bist mit deinen Erfahrungen.
Online-Communities
Es gibt viele Online-Gruppen, Foren und Communities für introvertierte Menschen. Dort kannst du dich austauschen, Tipps bekommen, Verständnis finden.
Wichtig ist: Such dir Räume, in denen du dich verstanden fühlst. Wo du nicht das Gefühl hast, dich rechtfertigen zu müssen. Wo Introversion als das gesehen wird, was sie ist: eine völlig normale, wertvolle Art, in der Welt zu sein.


