Effektives Bibelstudium Zusammenfassung – Exegese & Hermeneutik der Bibel

Effektives Bibelstudium Zusammenfassung – Exegese & Hermeneutik der Bibel

In meiner Bibelschul-Ausbildung habe ich das BuchEffektives Bibelstudium. Die Bibel verstehen und auslegen„* gelesen. Hier erhältst du eine Zusammenfassung der einzelnen Kapitel.

 

Vorworte

Das vorliegende Buch ist in der 7. Auflage erschienen. Zu den ersten Auflagen gab es jeweils Vorworte, die auf Aktualisierungen hinweisen. Das erste Vorwort erklärt die Motivation der beiden Autoren, das Buch „Effektives Bibelstudium“ zu schreiben, sowie das Augenmerk, worauf dieses Werk sich fokussiert.

 

1. Einleitung: Die Notwendigkeit der Auslegung

Das Ziel einer guten Auslegung ist es, zur eigentlichen Bedeutung des Textes zu gelangen: Was hat der Verfasser mit seinem Text beabsichtigt?

Gott hat die Bibel zwar vom Heiligen Geist inspiriert, jedoch Menschen gewählt, die Worte niederzuschreiben. Diese Schreiber haben in erster Linie an die Menschen der damaligen Zeit geschrieben.

Durch Exegese ermitteln wir den ursprünglichen Sinn der Texte, nämlich, was er für die damaligen Menschen bedeutet hat.

Die Hermeneutik ist es schließlich, wodurch wir den Sinn des Textes für uns heute – im Hier und Jetzt – ergründen. Die Hermeneutik basiert auf einer soliden Exegese.

Büchlein von mir:
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2. Das wichtigste Werkzeug – eine gute Übersetzung

Da viele Ausleger nicht die Ursprachen der Bibel beherrschen, greifen wir auf Übersetzungen zurück. Hier ist es wichtig, dass die Übersetzung gute Manuskripte des Urtextes zugrunde legt.

Weiterhin ist es wichtig zu beachten, wie wörtlich die Übersetzung sich an den Urtext hält (formal äquivalent) oder wie frei sie die Bedeutung ins heutige Deutsch überträgt (funktional äquivalent). Die jeweiligen Übersetzungen gehen an bestimmte Problembereiche wie Einheiten, Wortspiele oder auch Grammatik anders heran.

Die Autoren von „Effektives Bibelstudium“ empfehlen, am liebsten eine funktionale Übersetzung wie etwa die Einheitsübersetzung zu verwenden. Im besten Fall ergänzt um eine formale Übersetzung (Achtung: Ich teile nicht unbedingt die Meinung der Autoren, die Einheitsübersetzung zu favorisieren).

 

3. Die Briefe – auf den Zusammenhang achten lernen

Obwohl die Briefe natürlich vom Heiligen Geist inspiriert und somit für alle Zeiten gültig sind, haben die Verfasser sie aus bestimmtem Anlass an bestimmte Empfänger geschrieben.

So ist in der Exegese zum einen der historische Kontext zu ermitteln: In welche Situation spricht der Verfasser hinein und welche Probleme gab es bei den Empfängern?

Im literarischen Kontext betrachtet man in Absätzen den geschrieben Text als Antwort auf das Problem bzw. die konkrete Situation der Empfänger.

 

4. Die Briefe – die hermeneutischen Fragen

Nach der Exegese kommt jetzt die Hermeneutik mit der Fragestellung: Was bedeutet der Text heute für uns? Hier müssen wir herausfinden, ob der Text kulturell bedingt nur im 1. Jahrhundert wichtig war oder auch genauso heute gilt.

Ein Problem bei der Hermeneutik ist, dass wir unsere eigene theologische und kulturelle Prägung in den Text hineinlesen. Die wichtigste Regel lautet daher, dass ein Text nicht etwas bedeuten kann, was er für den damaligen Autor oder Leser nicht bedeutet hat.

Falls unsere Lebenssituation vergleichbar ist mit dem 1. Jahrhundert, gilt der betreffende Text definitiv auch für uns heute. Nach ausführlicher Exegese lassen sich außerdem Prinzipien ableiten, die über der speziellen historischen Situation hinausgehen und heute auf vergleichbare Situationen angewandt werden können.

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Wichtig ist, zentrale Botschaften der Bibel nicht durch untergeordnete Nebenthemen zu beeinträchtigen, konsequent vorzugehen und vor allem dem ermittelten Willen Gottes auch gehorsam zu sein.

 

5. Die Erzählungen des Alten Testaments – ihr richtiger Gebrauch

Die Erzählungen aus dem AT beschreiben im weiteren Sinne die Geschichte des Volkes Gottes und Gottes Plan, weisen auf Jesus hin und zeigen die Größe und Macht Gottes (er ist der größte Held jeder Geschichte)

Dabei sind die einzelnen Geschichten konkrete Nacherzählungen von realen Geschehnissen und nicht als Allegorie zu sehen. Auch vermitteln sie nicht unbedingt direkt moralische Lehren, können jedoch solche Lehren aus anderen Bibelstellen gut veranschaulichen.

Ein Wesensmerkmal dieser Geschichten sind Wiederholungen, die wichtige Schwerpunkte betonen. Darauf möchte ich zukünftig mehr achten und nicht drüber hinwegeilen.

Um mehr aus den Erzählungen herauszuholen, sollte man auf implizite Hinweise achten, die nicht konkret formuliert sind. Wichtig: Nichts hineinlesen, was der Text gar nicht ausdrücken möchte.

 

6. Die Apostelgeschichte – das Problem des historischen Präzedenzfalls

Die Exegese beinhaltet nicht nur die Frage, was geschehen ist, sondern welche Absicht Lukas bei der Verfassung des Textes verfolgte.

Durch natürliche Gliederung stellen wir heraus, was geschehen ist. Welche Ereignisse erzählt das Buch?

Insgesamt war Lukas‘ Absicht in der Apostelgeschichte, die Bewegung des Evangeliums von Jerusalem über Judäa und Samarien bis in die ganze Welt hinein zu zeigen. Doch auch bei einzelnen Abschnitten sollten wir fragen: Was ist die Absicht, die Lukas mit diesem Text verfolgte?

In der Hermeneutik erforschen wir, ob der Text bloß die Urgemeinde informativ beschreibt oder er für die Gemeinde aller Zeiten normativ gilt. Hier ist es wichtig, die primären Lehren der Apostelgeschichte hervorzuheben. Die Absicht hinter historischen Präzedenzfällen sollte ermittelt werden: Wann stellen sie bloß eine regelmäßige Praxis dar und wann gelten sie normativ auch zur heutigen Anwendung/Ausübung?

 

7. Die Evangelien – eine Geschichte, viele Dimensionen

Die Evangelien sind Bücher über das Leben und die Lehre Jesu. Für die Exegese ist es sinnvoll, den historischen Kontext sowohl von Jesus als auch der Verfasser zu betrachten. Grob betrachtet befinden wir uns im palästinensischen Judentum des 1. Jahrhunderts. Für einzelne Begebenheiten haben die Verfasser einen Ausspruch Jesu in einen konkreten Kontext gestellt.

Der literarische Kontext für die Exegese erfordert horizontales und vertikales Denken. Horizontal bedeutet, dass wir uns der synoptischen Parallelen innerhalb der vier Evangelien bewusst werden (v.a. Matthäus, Markus und Lukas. Markus war die Hauptquelle für die beiden anderen Evangelien). Vertikal bedeutet, den Kontext Jesu und den des Verfassers bewusst zu machen.

Wichtig zu wissen sind die Prinzipien der Autoren beim Verfassen der Evangelien: Auswahl, Anordnung und Anpassung der Erzählungen und Lehren. Sie verfolgten bestimmte Absichten mit ihrem Evangelium – das sollten wir uns beim Lesen und Studieren bewusst machen.

Zur Hermeneutik: Wir leben durch den Tod und Auferstehung Jesu und die Ausgießung des Geistes im angebrochenen neuen Zeitalter. Aus dem Grund sollen wir die Ethik des neuen Zeitalters (die Jesu Lehren wiederspiegeln) in unserem Leben zur Geltung bringen, wenngleich wir durch Gnade und nicht Gesetzeswerken gerettet wurden.

 

8. Die Gleichnisse – begreifen Sie die „Pointe“?

Gleichnisse sind keine Allegorien, in denen in jedes Detail etwas hineininterpretiert wird, was mit der Geschichte nichts zu tun hat. Sie dienen eher dazu, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln, eine Reaktion hervorzurufen und sie zum Nachdenken anzuregen.

Unsere Herausforderung heute ist, dass wir Gleichnisse erst auslegen und erklären müssen. Dies hindert den Effekt, den eine direkt verstandene Pointe normalerweise auslöst (Analogie zum Witz: Ein erklärter Witz ist gar kein Witz)

Durch die Exegese versetzen wir uns in die ursprüngliche Zuhörerschaft hinein, um die kulturelle Kluft zu überwinden und die beabsichtigte Aussage zu erfassen. Dazu lesen wir das Gleichnis immer wieder durch, suchen die Bezugspunkte im Gleichnis, die eine wichtige Rolle spielen und versuchen die tatsächlichen Adressanten des Gleichnisses herauszufinden.

Eine besondere Gattung sind Gleichnisse über das Reich Gottes, welche die Dringlichkeit darstellen: „Gottes Stunde bricht an“. Diese Gleichnisse warnen vor dem Gericht und erwecken die Freude des Heils.

Aus hermeneutischer Sicht übertragen wie die Aussage des Gleichnisses auf unseren eigenen Kontext. Der Leitgedanke aller Gleichnisse ist, dass die Stunde der Erfüllung durch das Kommen des Erlösers angebrochen ist .

 

9. Das Gesetz – Bundesauflagen für Israel

Das Gesetz (Gesamtheit der Gebote und das alttestamentliche religiöse System) war ein Bund – ein Vertrag – zwischen Gott und dem Volk Israel, der Bestimmungen enthielt und dadurch einen Rahmen für die Beziehung zwischen Gott und dem Volk setzte.

Solange die Bestimmungen nicht im neuen Testament erneuert wurden (wie die 10 Gebote oder die beiden großen Gebote der Liebe), gelten sie nicht für uns, z.B. die Zivil- oder Ritualgesetze.

Arten von Gesetzen:

  • Apotiktisches Gesetz: „Du sollst“/“Du sollst nicht“. Gilt eher als Richtlinie statt minutiöse Beschreibung
  • Kasuistisches Gesetz: Auf Einzelfälle mit bestimmten Voraussetzungen bezogen. Macht einen Großteil der Gebote aus.

 

Obwohl viele Gesetze für uns nicht mehr gelten, sind sie Gottes kostbares Wort für uns und wir können viel daraus ableiten und über Gott lernen.

Im Vergleich zu anderen antiken Gesetzen stellt das Gesetz des Alten Testaments einen Quantensprung, gerade aus ethischer Sicht, dar. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Gesetz ein großes Geschenk an Israel war, das viel Segen brachte, wenn man ihm gehorchte.

 

10. Die Propheten – die Rechtsgültigkeit des Bundes Gottes mit Israel wird eingeklagt

Durch die Propheten kündigte Gott die Folgen der Einhaltung bzw. Missachtung des Bundes an: Segen oder Fluch. Tatsächlich war es Gottes Wort und nicht von den Propheten selbst erfundenes.

Die prophetischen Botschaften galten gewöhnlich für die nahe Zukunft, sodass sie aus heutiger Sicht lange in der Vergangenheit liegen. Für die Exegese ist es hilfreich, Bibellexika, Kommentare und Bibelhandbücher zu verwenden. Zu beachten sind stets der größere historische Kontext (die Zeit) und der spezifische Kontext (bestimmter Ort, Umstände, Zeit, Zuhörer)

Formen der prophetischen Äußerung:

  • Rechtsstreit: Zwischen Gott und Israel
  • Wehruf: Drohendes Verderben
  • Verheißung: Zukünftiger Segen
  • Darstellende Prophetie: Konzepte lebhaft veranschaulichen
  • Botenrede: „So spricht der Herr“

 

Hermeneutik: Oft können wir das Gesagte auch in unserer eigenen Lage anwenden, auch wenn die Situation sich stark unterscheidet. Die prophetischen Bücher sind eine Erinnerung dafür, wie Gott für seinen Bund eintritt und uns – dem eigenen Gehorsam entsprechend – entweder Segen oder Fluch erwartet.

 

11. Die Psalmen – Israels und unsere Gebete

Psalmen sind Gebete/Hymnen/musikalische Gedichte, die von starken Emotionen gekennzeichnet sind. Sie helfen dem Volk Gottes aus allen Zeiten (auch uns), ihre Anliegen, Gefühle und Gedanken vor Gott zum Ausdruck zu bringen und über Gottes Handeln nachzudenken. Die entscheidende Funktion der Psalmen ist es, eine Verbindung zwischen dem Anbeter und Gott herzustellen.

Arten von Psalmen: Klagelieder, Dankpsalmen, Loblieder, Heilsgeschichtliche Psalmen, Zum Feiern, Zur Bundeserneuerung, Weisheitspsalmen, Lieder des Vertrauens, Fluchpsalmen

Jede Art scheint ihre eigenen Merkmale und Strukturen zu haben.

 

12. Weisheit – damals und heute

Weisheit ist die Fähigkeit, im Leben Entscheidungen nach dem Willen Gottes zu treffen. Zur Weisheitsliteratur der Bibel zählen Sprüche, Hiob, Prediger, das Hohelied und auch einige Psalmen.

Im Allgemeinen sind diese Schriften eher praxisorientiert, anstatt tiefe theologische Fragen zu klären. Sie sollten stets im Gesamtkontext des Buchs und der Bibel betrachtet werden, statt Passagen zu isolieren.

Sprüche: Praktische Einstellungen und Verhaltensweisen für den Alltag. Kontrast zwischen Torheit und Weisheit. Nennt die Wahrheit nicht in Einzelheiten oder wörtlich, sondern deutet bildhaft auf das umfassende Prinzip hin.

Hiob: Stark strukturierter Dialog zwischen Hiob und den vier Freunden. Das Buch zeigt die Weisheit der Welt und die Weisheit Gottes auf und dass man auf Gottes Gerechtigkeit und Souveränität vertrauen kann.

Prediger: Gekennzeichnet vom hebräischen Wort hebel (Windhauch, Nichtigkeit). Deutet auf die Vergänglichkeit oder Bedeutungslosigkeit hin. Fazit des Buchs: „Fürchte Gott und achte auf seine Gebote. Das allein hat jeder Mensch nötig“.

Hohelied: Liebeslied über eine romantische Beziehung zweier Menschen, die in Übereinstimmung mit Gottes Schöpfungsabsicht ist.

 

13. Die Offenbarung – Bilder des Gerichts und der Hoffnung

Die Offenbarung ist Apokalypse, Prophetie und Brief. Sie kam innerhalb der Verfolgung heraus und handelt darüber: Gott hat alles in der Hand und führt ein radikales Ende der Geschichte herbei, in dem er das Böse richtet und die Gemeinde nach einer Zeit des Leidens triumphiert.

Die Exegese ist auch hier wichtig. Was wollte Johannes den ursprünglichen Lesern vermitteln? Eine Herausforderung stellen die Bilder in der Offenbarung dar.

Wichtig ist, die Visionen als Ganzes zu sehen und nicht Details allegorisch auszulegen.

Hermeneutik:
Gottes Gericht geht über die, die sein Volk unterdrücken. Obwohl der Weg der Nachfolge das Kreuz beinhaltet, ist die Offenbarung ein Trost und Ermutigung für verfolgte, leidende Christen aller Zeitepochen.

Die Erfüllung mancher Passagen der Offenbarung stehen noch aus. Wir sollten vermeiden, zu viel zu spekulieren und aktuelle Geschehnisse in die Offenbarung hineinzuinterpretieren.

Jesus kommt bald, seine Gemeinde heimzuholen. Halleluja!

 

Anhang – Beurteilung und Verwendung von Kommentaren

Zum Ende des eigenen Bibelstudiums kann man einen Kommentar zurate ziehen, der den historischen Kontext sowie Antworten auf inhaltliche Fragen liefert und schwierige Textabschnitte gründlich bespricht, inkl. mehrere Auslegungen anzubieten.

Der Kommentar sollte exegetisch sein und möglichst auf dem Urtext beruhen.

 

Fazit zu „Effektives Bibelstudium. Die Bibel verstehen und auslegen“

Durch den Bibelschul-Unterricht und das Buch „Effektives Bibelstudium. Die Bibel verstehen und auslegen„* bin ich motiviert worden, mich mehr mit Gottes Wort zu beschäftigen: Genauer studieren, mehr Zeit investieren und in die Tiefen eintauchen.

Mein persönlicher Leitfaden für die Bibelauslegung:

1. Mit Gebet starten

2. Text in unterschiedlichen Übersetzungen mehrmals lesen

3. Exegese: Worum geht es im Text? Was war die Bedeutung für die ursprünglichen Leser?

  • Historischen Kontext ergründen mithilfe Bibellexikon oder Einführung eines Kommentars
  • Anlass für den Text: Probleme, …
  • Wie behandelt der Text die Situation/Probleme der ursprünglichen Leser?
  • Was ist das Anliegen des Autors?

 

4. Hermeneutik: Was bedeutet der Text heute für uns? Welche Prinzipien gelten heute genauso, für ähnliche Situationen?

 

PS: Lese doch gerne eine tägliche Losung auf losung.net.

Dies ist meine Zusammenfassung des Buches „Effektives Bibelstudium. Die Bibel verstehen und auslegen“. Wenn es dich interessiert, kannst du es hier erwerben*.

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