Marie Durand – standhaft im Glauben

Marie Durand – standhaft im Glauben

Eine großartige Frau, die Jahrzehnte in Gefangenschaft war und trotzdem standhaft im Glauben blieb: Marie Durand. Lese jetzt diesen bewegenden Bericht über eine starke Frau.

Marie Durand gefangen im Kerker

Im Jahr 1730, in einer Stadt etwa in der Nähe von Montpellier in Südfrankreich wurde eine Frau in den Kerker gebracht. Sie war gerade mal 19 Jahre alt.

Damals war durch die Schreckensherrschaft von Ludwig XIV und wegen der katholischen Kirche die Glaubensfreiheit nicht gegeben. Die Reformation, die sich von Deutschland aus und der Schweiz durch ganz Europa ihren Weg nahm, hat dazu geführt, dass viele Menschen sich von der katholischen Kirche abgewandt haben. So entstanden in Frankreich viele Glaubensgemeinschaften.

Zuerst beschimpfte man diese Glaubensgemeinschaften als „die Hugenotten„. Später wurde es tatsächlich der Name dieser Glaubensgemeinschaft.

Marie Durand war diese 19-jährige Frau. Vor drei Wochen hatte sie gerade geheiratet und nun saß sie im Frauengefängnis. Warum? Ihr Bruder Pierre Durand war ein Prediger und ein Evangelist, der durch Südfrankreich zog und viele Menschen in Hausgemeinden motivierte, stärkte und so das Werk Gottes vollbrachte.

Die Regierung hatte keinen Zugriff auf ihn, aber auf die Familie. So musste die Schwester dran glauben: Sie wurde inhaftiert und ins Gefängnis gesetzt. Das Gefängnis war eine alte Festung, irgendwann mal in der Zeit der Kreuzzüge erbaut. Dort auf diesem Gefängniskomplex – es war eigentlich eine Burg – gab es einen Turm, den „Tour de Constance“ (Turm der Beständigkeit).

In diesem Turm war das Frauengefängnis. Bis zu 38 Frauen saßen dort. Die meisten, weil sie Christen waren. In diesem Turm mussten sie auf den Tag warten, bis sie sterben oder bis sie sich von ihrem Glauben abgesagt haben.

Die 19-jährige Marie Durand kam dort an und nach einigen Jahren verstand sie, dass ihre Mission darin besteht, den Menschen zu helfen. Den Frauen zu helfen, die dort in diesem Gefängnis waren. So lebte sie Jahr aus Jahr ein in diesen in diesem Kreis und versorgte die Frauen, die oft an Rheuma litten und die verzweifelt nach einem Sinn suchen oder nach Kraft.

Turm der Standhaftigkeit

Marie widmete sich ganz dieser Arbeit und so war sie 38 Jahre in diesem Turm, dem Turm der Beständigkeit oder diesem Turm der Standhaftigkeit. Für diese Frauen war das tatsächlich ein Ort, wo sie Standhaftigkeit beweisen konnten.

Das Gefängnis war ein runder, steinerner Raum mit einem zwei Meter großen kreisförmigen Loch an der Oberseite, das eine kleine Menge Luft und Licht sowie Schnee und Regen hereinließ. Lebensmittel kamen durch ein ähnliches Loch im Boden. Im Winter eiskalt und im Sommer schwül, schmachteten Marie Durand und die anderen im Turm eingesperrten Frauen und ertrugen die härtesten und unhygienischsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. 38 Jahre lang saß Marie Durand in diesem Gefängnis. Sie überlebte fast alle Frauen dort.

 

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Glauben an Gott – selbst in schwierigsten Umständen

Doch auch wenn nur sie nur ein junges Mädchen von 19 Jahren war, weigerte sich Marie Durand, sich von ihren Umständen brechen zu lassen. Sie erhob sich zu einer Leitfigur unter den Frauen im Turm. Sie ermutigte sie, die Hoffnung und den Glauben an Gott zu bewahren, selbst inmitten des Elends und Erbärmlichkeit ihrer Umgebung. Sie führte sie in Gebet und Gesang an, setzte sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen ein und bat die Behörden nachdrücklich um ein Büchlein mit Psalmen, das allen Frauen gegeben werden sollte.

Die Geschichte von Marie Durand ist deshalb so fesselnd, weil sie den unerschütterlichen Charakter einer jungen Frau schildert, die sich angesichts schrecklicher Unterdrückung und Ungerechtigkeit dafür entschied, ihre Lebensumstände zu bestimmen, anstatt sich von ihnen bestimmen zu lassen.

Das Mittel, mit dem sie diese Aufgabe bewältigte, war ihr unerschütterlicher und unnachgiebiger Glaube an Gott. Es erwies sich als das schärfste Mittel, mit dem sie je gearbeitet hat. Es war auch das einzige wirksame Werkzeug, das ihr zur Verfügung stand. Dasselbe Mittel steht uns zur Verfügung.

Mögen wir uns nicht scheuen und uns nicht schämen, es zu benutzen.

Widerstandskraft

Heute kann man immer noch nach Aigues-Mortes fahren. Wenn man dort in diesen Turm hineingeht, findet man einen Brunnen. Auf diesem Brunnen kann man etwas eingeritztes finden. Ein Wort: Résister. Wenn man „Résister“ ins Deutsche übersetzt, so wird man sagen: Das bedeutet „Widerstand“ oder „widerstehen“

Résister. Das hat den Frauen Kraft gegeben in dieser, ich sag’s mal, „menschlichen Hölle“ zurechtzukommen. Résister – das war ihr Motto.

Im Deutschen gib es ein ähnliches Wort, das immer wieder verwendet wird. Das ist das Wort „Resilienz“ und damit beschreibt man die Widerstandskraft, die wir alle mit uns tragen.

Es gibt eine Gefangenenakte von dieser Marie Durand. Da steht ein Satz, besser gesagt, zwei Wörter: Glaubensstand unverändert.

 

Marie Durand Steckbrief

  • Geboren am 15. Juli 1711 in Le Bouchet-de-Pranles
  • 1730 als 19-jährige, frisch verheiratete junge Dame inhaftiert aufgrund des Glaubens
  • 38 Jahre lang im Gefängnis blieb sie treu im Glauben und half den anderen gefangenen Frauen
  • 14. April 1768 Rückkehr in ihre Heimat
  • Gestorben im Juli 1776 in Le Bouchet-de-Pranles

 

Eine Frage zum Schluss: Weiß jemand, wo ich die Briefe von Marie Durand finden kann? Sie hat nämlich sehr viele Briefe geschrieben…

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